ATR Sauenfutter

ATR hat in dem Leitfaden aktuelles Wissen und Erfahrungen aus der Praxis zu einem Ratgeber für die Ferkelerzeuger zusammengestellt. Neben Grundlagen der Fütterung werden neue Futterprogramme und Praxistipps vorgestellt.

ATR Leitfaden zur Sauen- und Ferkelfütterung 2014

Produktlinien im neuen activLine Sauen- & Jungsauenfutterprogramm

Das ATR Sortenprogramm für Sauen- und Jungsauen wurde komplett überarbeitet. Die Namensgebung ist teilweise neu. Neben Altbewährtem wurden Erfahrungen aus der Praxis und wissenschaftliche Erkenntnisse in das Programm implementiert. Die Struktur der Sortendarstellung ist insofern neu, dass alle Sorten bestimmten Produktlinien zugewiesen werden. Bei den Produktlinien im Sortenprogramm für Sauen und Jungsauen unterscheiden wir nach Economic und Ambition.

Economic ist die Linie für Kunden, die bedarfsgerecht füttern wollen und auf preiswerte Produkte Wert legen.

Ambition ist die Linie für Kunden, die auf eine bewährte, gute Qualität setzen, den Aspekt Sicherheit der Produktion hoch bewerten ohne die Preiswürdigkeit aus den Augen zu verlieren.
Mit dem Ambition Sauenfutterprogramm kann man mit der dänischen Genetik über 30 abgesetzte Ferkel pro Sau/Jahr erzielen.

Mit den unterschiedlichen Ausstattungen der Produktlinien Economic und Ambition berücksichtigen wir die hohen Ziele unserer Kunden an verkaufsfähigen Ferkeln je Sau und Jahr. Erfolgreiche Praktiker fragen sich natürlich, wann hochwertigere Sauenfutter wirtschaftlich sind. Hochwertige Sauenfutter sind wirtschaftlich, wenn in Zusammenhang mit Managementmaßnahmen die Anzahl der abgesetzten Ferkel gesteigert wird. Die Anzahl der abgesetzten Ferkel korreliert mit der direktkostenfreien Leistung pro Sau und Jahr, d.h. mehr angesetzte Ferkel bringen einen höheren Gewinn je Sau und Jahr. Die Zielsetzung des verantwortlichen Praktikers ist wichtig für die Sortenwahl. Sollen mehr Ferkel je Sau und Jahr produziert werden oder geht es um spezielle Problemlösungen? Bei Grenzkosten von ca. 20 € je Ferkel erzielt ein Betrieb hier schon einen höheren Gewinn.

ATR Economic Sauenfutterprogramm
ATR Ambition Sauenfutterprogramm

Economic-Linie und Ambition-Linie

Die Abbildung zeigt, dass bei einem Wechsel von Sauenfuttersorten aus der Economic-Linie auf Sorten der Ambition-Linie ca. 1 Ferkel mehr produziert werden sollte, damit die Kosten des Aufwandes an Sauenfutter je Ferkel nicht ansteigen.

Die Sauenfutter der Ambition-Linie sind auch mit Leinöl und Fischöl erhältlich.

Weitergehende Informationen zu den neuen Sortenprogrammen entnehmen Sie bitte den speziellen Produktinformationen, die unsere Außendienstberater für Sie bereithalten, oder sprechen Sie Ihren ATR Fachberater Schwein an. Wir helfen Ihnen gern.

activLine – das ATR Beratungskonzept

Viele unserer Kunden kennen das: Mit Änderungen bei der Betriebsgröße, den Tierbeständen, der Genetik, dem Gesundheitsstatus und nicht zuletzt durch die sich wandelnden Verbrauchererwartungen sind die Managementanforderungen deutlich gestiegen.

Die sich fortwährend ändernden Rahmenbedingungen und das Ziel der wirtschaftlichen Erzeugung tierischer Produkte setzen Betriebsleiter und Personal unter starken Druck.

Mit dem neuen activLine Beratungskonzept möchte ATR Landhandel Sie unterstützen.

activLine ist ein ganzheitliches Beratungskonzept und beschreibt ein aktives, strukturiertes Arbeiten aller Beteiligten auf dem Betrieb. Viele Betriebe wissen nicht, welche verborgenen Potentiale vorhanden sind. Wir von ATR möchten mit Ihnen im partnerschaftlichen Miteinander mögliche Verbesserungsmöglichkeiten ausloten. Potentiale oder „Probleme“ werden als Chancen verstanden, es besser zu machen.

Unsere Fachberater besprechen gemeinsam mit Ihnen alle wesentlichen Punkte des Betriebszweiges. Nach einer Betriebs-/ Stallbegehung bekommen Sie Informationen über die Stärken und Schwächen Ihres Managements. Im Anschluss werden realistische Ziele definiert und gemeinsam Lösungen erarbeitet.

activLine basiert auf gutem Tiermanagement und hilft Ihnen bei der Realisierung der richtigen Balance zwischen Management, Haltung, Fütterung, Gesundheit und Genetik.
Nach der Darstellung von Lösungen werden Entscheidungen über die weitere Vorgehensweise getroffen und es geht an die Umsetzung. Die einzelnen Resultate werden anschließend mit der Zielsetzung verglichen und neue Chancen definiert.

activLine ermöglicht Ihnen eine nachhaltige Betriebsoptimierung.

activLine – das ganzheitliche Beratungskonzept

activLine

activLine – das Denken in Kreisläufen, ein Beispiel aus der Ferkelerzeugung:

Chance:

  • Vermeidung des zu starken Absäugens gegen Ende der Laktation

Analyse:

  • Überprüfung der Fütterungstechnik, Strategie und der Futterzusammensetzung

Zielsetzung:

  • Gut konditionierte, vitale Sauen, die einen optimalen Besamungserfolg ermöglichen

Lösungen:

  • Änderung der Fütterungshäufigkeit
  • Einsatz eines Sauenfutter, welches netto mehr für die Sau verfügbare Energie zur Verfügung stellt und eine gute Kotqualität bedingt - denn eine Sau mit einer mehr oder weniger starken Verstopfung frisst nicht genug

Entscheidungen treffen:

  • Umstellung von zwei- auf dreimalige Fütterung am Tag
  • Einsatz eines zum Betrieb passenden Sauenfutters z.B. SAUEN LAC EXTRA aus der „Ambition“ - Produktlinie

Resultat:

  • Durch die Änderung der Fütterungsstrategie und Wechsel auf ein Laktationsfutter, welches neben der Nettoenergie auch die bakteriell fermentierbare organische Substanz in der Futterkonzeption berücksichtigt, konnte die Futteraufnahme je Tier und Tag um 0,7 kg gesteigert werden. Die Sauen säugen nicht mehr so stark ab.

Rückkopplung:

  • Gegenseitiger Austausch zwischen Kunde und Berater, Information an das Produktmanagement

und der Kreislauf beginnt von vorn...

Rohfaser - mehr als nur Ballast für Zuchtsauen

Ein besonderes Augenmerk bei hochleistenden Zuchtsauen gilt dem geburtsnahen Zeitraum und dem Einsetzen der Laktation. Die Sauen werden vom Trage- auf das Laktationsfutter umgestellt. Mit Blick auf die gestiegene Anzahl an Saugferkeln sind die Anforderungen u.a. an Management, Fütterung, Gesundheitsprophylaxe und Haltung deutlich gestiegen.

Zur Realisierung einer hohen Milchleistung muss es gelingen, dass die Sauen ausreichend Futter zum Laktationsstart aufnehmen, ohne dass Verdauungsprobleme auftreten. Bei zu geringen Milchleistungen sind schlechte Leistungen der Ferkel mit geringerer Vitalität zu erwarten.

Die bedeutendste Fütterungsprophylaxe im geburtsnahen Zeitraum besteht in der Stabilisierung der Darmaktivität.

Bei vermindertem Kotabsatz oder gar einer Verstopfung kann es zu Fäulnisprozessen im Dickdarm kommen. Es werden Endotoxine gebildet, die zum Einen rückwärts in den Dünndarm aufsteigen, zum Anderen die Darmschranke passieren und dann die Gefahr von MMA begünstigen können. 

Kot verstopft

Bei Verstopfungen vermehren sich zudem die Colikeime im Dickdarm, die nach dem Ausscheiden für Gebärmutter und Gesäuge ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen.

Tragefutter sind in der Regel rohfaserreich (6-8%) und energiearm (11,8-12,2 MJME/kg), Laktationsfutter hingegen ballastarm (4-5% Rohfaser) und energiereich (13,0-13,4 MJME/kg).

Übliche Nährstoffempfehlungen berücksichtigen nur ungenügend, aus welchen Komponenten die Nährstoffe zur Verfügung gestellt werden sollen. Die theoretische Ableitung von Bedarfszahlen bringt in der Praxis oft nur wenig. Beispielsweise hilft die Angabe des prozentualen Gehaltes an Rohfaser in der Mischung nicht bei der Bewertung der Zusammensetzung.

Eine Sau, die mit Verstopfungen zu kämpfen hat, fühlt sich nicht wohl und kann ihre Leistung nicht bringen. Oft zeigt es sich, dass die Sauen dann die gewünschte Futtermenge nicht aufnehmen.

Hier ist es angebracht, die Verdauungsprozesse von der Ausscheidung hin zur Aufnahme, also von hinten nach vorn zu betrachten. Die Beobachtung der Sauen gibt Aufschluss über die notwendigen Maßnahmen.

Über die Analyse der Kotbeschaffenheit wird die Fütterungsstrategie, die Futterrezeptur usw. angepasst, dass ein geschmeidiger Kot abgehen kann.

Kot gut vermentiert

Ein wichtiger Parameter bei der Bewertung der Rohfaser liefernden Komponenten ist die bakteriell fermentierbare organische Substanz (kurz BFS). Die BFS wird angegeben in g je kg Produkt.

Der BFS-Wert ist ein Indikator für die Abschätzung einer guten Darmfunktion. Eine Sau benötigt je nach Leistungsstadium ausreichend viel BFS, damit die Bakterien im Dickdarm genügend Nährstoffe zur Verfügung haben. Ziel ist ein adäquates Verhältnis von langsam, mittelschnell, schnell fermentierbarer Rohfaser.

Fehlen den Darmbakterien Nährstoffe sinkt ihre Population ab und das Wasser im Kot wird von den Bakterien nicht gebunden sondern resorbiert. Der Kot vertrocknet und wird fest. Darmverstopfungen können die Folge sein.

Der BFS-Wert in Mischfuttermitteln für tragende Sauen sollte mindestens bei 90 g/kg und bei laktierenden Sauen bei mind. 80 g/kg liegen. Höhere Werte sind positiv zu bewerten. Spezielle Komponentenforderungen, wie z.B. die Ausschließlichkeit von Gerste als Energieträger, machen es teilweise unmöglich, dem ausreichend Rechnung zu tragen.

Die Verabreichung quellfähiger Komponenten im niedertragenden Bereich steigert nachhaltig das Volumen des Magen-Darm-Traktes. Dadurch kann die Futteraufnahme in der Säugezeit positiv beeinflusst werden.

Die ATR NT- und LAC-Futter sollten hinsichtlich der Restriktionen an Komponenten und Nährstoffen aufeinander abgestimmt sein. So lassen sich bei gutem Management Probleme bei der Umstellung vermeiden.

Praktiker berichten, dass ausreichend hohe Werte an quellfähiger Rohfaser die Geburtsdauer verkürzen können.

Besonders geeignet sind hierfür zuckerarme (!) Trockenschnitzel, Sonnenblumenextraktionsschrot, Weizenkleie, Sojaschalen, Grünmehl und fibrillierte Lignocellulose. In richtiger Weise mit gereinigter Gerste, gereinigtem Weizen, Mais und Leinsaat kombiniert, wird die Darmpassagerate gesteigert und die Leistung stabilisiert. Der einwandfreien Qualität der eingesetzten Einzelfuttermittel kommt eine große Bedeutung zu.

Ein erhöhter Gehalt an freien Ölen (z.B. Sojaöl, Palmöl) wirkt sich günstig auf die Kotkonsistenz und das Verdauungsgeschehen aus.

Wasser sollte grundsätzlich in ausreichender Menge und einwandfreier Qualität den Tieren zur Verfügung stehen.

Nur wenn alle Maßnahmen nahtlos ineinandergreifen, wird die topkonditionierte Sau ihre Leistung bringen.

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